An den Rhein- und Nahedeichen startet die Mähsaison: Erstmalig werden Wildwarner zum Schutz von Rehkitzen und Hasen eingesetzt

Mit Beginn der Sommermonate startet die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) die Mäharbeiten im Rahmen der Deichunterhaltung. Auf einer Gesamtlänge von rund 235 Kilometern werden die Nahe-, Rheinhaupt-, Vor-, und Riegeldeiche gemäht.

SGD Süd-Präsident Prof. Dr. Hannes Kopf erläutert: "Ziel der Grünlandpflege ist es, eine stark verwurzelte und geschlossene Grasnarbe zu erhalten. Denn nur hierdurch ist eine dauerhafte Gewährleistung der Deichsicherheit gegeben."

Die Deiche im Raum Mainz / Ingelheim mit unmittelbar angrenzenden Naturschutzgebieten stellen als naturnahe magere Trockenrasenbiotope einen Lebensraum für viele selten gewordene Tier- und Pflanzenarten dar. Bei der Pflege wird dies zum Beispiel durch Verzicht auf Düngung und Pestizideinsatz berücksichtigt. Präsident Hannes Kopf betont: "Erstmalig werden in diesem Jahr in Rheinhessen Wildwarner bei den Mäharbeiten eingesetzt." Mittels eines akustischen Signals sollen Rehkitze, Hasen und andere Wildtiere aus dem hohen Gras vor den Mähgeräten vertrieben werden. Der Ton ähnelt einem Rückfahrwarner eines LKWs (nur als Dauerton) und wird hauptsächlich in der Ebene in der Nähe von Bäumen (Waldrand) angeschaltet.

Die Unterhaltungsarbeiten werden durch die Deicharbeiter der SGD Süd ausgeführt und bestehen aus der Pflege der Grasnarbe: Das heißt Mähen / Mulchen, Abrechen und Entfernen des Mähgutes. Das anfallende Material wird weitestgehend einer stofflichen oder energetischen Verwertung zugeführt. Heu wird an Land- und Pferdewirte abgegeben, das heißt es stellt ein hochwertiges Futter aus der Region für Rinder, Pferde und Schafe dar. Minderwertiges Material kann teilweise als Einstreu Verwendung finden. Teilweise wird das Mahdgut auch als Ansaatmaterial für zum Beispiel standortgerechte Begrünung neu gebauter Deiche genutzt.

Das Deichsystem bildet ein natürliches Band mit Vernetzungscharakter für zahlreiche Biotope, die sogenannte "Lebensader Oberrhein". Entsprechend stark frequentiert sind die Deiche hinsichtlich der Freizeitnutzung. Die von der Wasserwirtschaft angelegten Deichwege, die der Deichunterhaltung und -verteidigung dienen, stellen gleichzeitig ein ideales Rad- und Wanderwegenetz dar. Leider kommt es durch die Freizeitnutzung auf den Deichwegen (Walken, Joggen, Skaten, Radfahren etc.) zunehmend zu Behinderungen bei Mäharbeiten, teilweise auch trotz ordnungsgemäßer Absperrungen zu gefährlichen Situationen aufgrund von Unachtsamkeit und Unvernunft. Die SGD Süd bittet, auf die Mähfahrzeuge Rücksicht zu nehmen, damit Unfälle vermieden werden.