Fazit der diesjährigen Deichschau zwischen Mainz und Bingen

Am Rhein zwischen Mainz und Bingen wurde im Rahmen der diesjährigen Deichschau der Zustand der Deiche begutachtet. Der Präsident der SGD Süd, Prof. Dr. Hannes Kopf, weist darauf hin, dass nur mit einem guten Zustand und Funktionsfähigkeit der Deiche der Hochwasserschutz für die Anwohner gewährleistet werden kann.

Ziel der Begehung der Deiche von Mainz Ingelheim war es also, Schäden und Probleme an den Deichen und im Umfeld festzustellen, die die Deichsicherheit, Deichverteidigung und die Deichunterhaltung erschweren. Nur durch ständige Kontrolle, Unterhaltung und Instandsetzung kann die Funktionsfähigkeit der Deiche dauerhaft gewährleistet werden. An der Deichschau nahmen auch Vertreter örtlicher Wasser- und Naturschutzbehörden, von Stadtverwaltungen, Orts- und Verbandsgemeinden, Mitglieder von Naturschutzverbänden und Anwohner teil.

Die gemeinsamen Kontrollen zeigten, dass sich die Deiche einschließlich der Deichschutzstreifen zwar in einem guten Unterhaltungs- und Pflegezustand befinden. Allerdings wirken sich die zurückliegenden 3 Jahre mit großer Hitze und vor allem langanhaltender Trockenheit negativ auf die erforderliche geschlossene Vegetationsdecke aus. Fehlstellen im Bewuchs müssen nachgesät werden. Auch wurden zusätzlich schadhafte Stellen entdeckt, vor allem verursacht durch Wühltiere (Wildschweine, Wühlmäuse und insbesondere auch durch Hunde). Wichtig erschien auch der Hinweis, dass die intensive Freizeitnutzung der Deichwege durch Radfahrer sowie parkende Autos insbesondere im Bereich der Kleingärten in Mombach zunehmend Probleme bei der Deichunterhaltung bereiten. Die Deichwege sind Betriebswege auf denen Radfahren auf eigene Gefahr zulässig ist. Im Falle von Mäharbeiten u.Ä., die stets durch Beschilderung als Warnhinweise kenntlich gemacht werden, hat die Deichunterhaltung Vorrang. Hier bittet die SGD Süd dringend um Rücksichtnahme auch im eigenen Interesse (Verletzungsgefahr bzw. Schäden an Fahrzeugen im Nahbereich der Maschinen durch z. B.  weggeschleuderte Steine).

Weitere Probleme bereitet die teilweise zu dichte Bepflanzung am Deichkörper insbesondere durch Gehölze einhergehend mit der Gefahr durch Windbruch und der Durchwurzelung des Deichkörpers. Durch Klimawandel und Trockenheit kommt es verstärkt zu Totholz, abgestorbenen Ästen etc. Diesbezüglich sind Rückschnitt- und Fällungsmaßnahmen erforderlich. Hervorzuheben ist, dass hier in der Regel ein Konsens zwischen Hochwasserschutz und Naturschutz hergestellt wird.

Auch wurde der Hinweis geäußert, dass Landwirte den erforderlichen Abstand von 5 m vom Deichfuß bei der Bewirtschaftung ihrer landwirtschaftlichen Flächen nicht immer einhalten. Einige Landwirte und Anlieger haben jedoch mittlerweile nach Aufforderung vorbildlich Zäune etc. zurückgebaut, so z.B. in Budenheim.

Im Rahmen des neuen Mähkonzeptes wurde insbesondere aufgrund des Insektensterbens versucht, Blühstreifen stehen zu lassen bzw. kleinräumiger zu mähen. Jedoch wird dadurch die bereits in den letzten Jahren zu beobachtende Ausbreitung von sog. Neophyten und unerwünschten Pflanzenarten (Giftpflanzen, Kratzbeeren, Rainfarn etc.) verstärkt. Bei den Neophyten - allen voran das Orientalischen Zackenschötchen - handelt es sich um Pflanzen aus anderen Regionen, die sich zunehmend und invasiv ausbreiten und einheimische Pflanzen verdrängen. Dadurch kann die eigentliche Vegetationsdecke nämlich eine geschlossene Grasnarbe, die für die Sicherheit der Deiche erforderlich ist, gestört werden. Auch die Ausbreitung von Giftpflanzen (Jakobskreuzkraut) stellt ein zunehmendes Problem dar, da die Mähgut-Verwertung als Tierfutter schwierig wird.

Organisiert und geleitet wurde die Deichschau von Reiner Kunz, Betriebsleiter der Deichmeisterei Budenheim. Die Deichmeisterei betreut dabei rund 92 Kilometer Deiche am Rhein und 22 Kilometer an der Nahe. Begangen wurden in diesem Jahr rund 30 km. Im kommenden Jahr wird der Abschnitt an der Nahe von Bad Kreuznach bis Bingen begangen.