Gehölzbewirtschaftung am Glan

Der Glan entspringt im saarländischen Örtchen Höchen und tritt nach rund zwei Kilometern in der Nähe von Waldmohr auf rheinland-pfälzisches Gebiet. Bei Odernheim mündet er in die Nahe und ist mit seinen rund 90 Kilometern Fließlänge der größte Fluss der Pfalz.

Nachdem bis in die 1970er Jahre der Nutzgedanke gegenüber den Gewässern im Vordergrund stand und diese hauptsächlich als Vorfluter für Niederschlagswasser und Abwasser gesehen wurde, hat sich ab den 1980er Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass durch eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung diese als Bestandteil des Naturhaushaltes, als Lebensgrundlage des Menschen und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschützt werden müssen. Die Gewässerunterhaltung als öffentlich-rechtliche Pflichtaufgabe stellt heute eine moderne und nachhaltige Aufgabe dar, die sowohl dem ordnungsgemäßen Wasserabfluss als auch ökologischen Maßgaben Genüge tun muss.

Bei einer Exkursion mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern hat die Regionalstelle Wasserwirtschaft Kaiserslautern der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd die Auswirkungen auf die Gewässerentwicklung und das Abflussverhalten des Glan erläutert. SGD Süd-Mitarbeiter Konstantin Kempf hat neben den positiven Wirkungen von Totholz auf die Lebewesen im Glan auch die Risiken im Hochwassergeschehen und Strategien der Gehölzbewirtschaftung erläutert.

Naturnahe Gewässer unserer Breiten werden zumindest von einem Gehölzsaum aus Erlen, Weiden, Pappeln oder Eschen gesäumt. Daher ist ein Eintrag von Blättern, Ästen oder ganzen Stämmen natürlich und für die vielen unterschiedlichen Fließgewässerorganismen, seien es Fische oder Insektenlarven, lebensnotwendig. Unter Sturzbäumen, Wurzeltellern oder in den reich verzweigten Erlenwurzeln am Ufer finden Fische Schutz im Hochwasserfall, Insektenlarven leben im oder vom Totholz. Holz hat aber auch die Eigenschaft, die Gewässersohle zu strukturieren, so dass Flachwasserzonen für Jungfische und Kolke für große Forellen oder Barben entstehen. Durch die strukturierte Sohle wird verhindert, dass der Glan sich noch tiefer in sein Bett eingräbt.

Die Auswirkungen der Klimaveränderungen der letzten Jahre haben uns mit den Starkregenereignissen drastisch vor Augen geführt, welche verheerenden Auswirkungen ein bedingt durch Starkregen sich rasch aufbauendes Hochwasserereignis mit sich bringen kann. Überflutungen, verbunden mit weitreichenden materiellen oder auch Personenschäden sind heute keine Seltenheit mehr, sondern können überall auftreten; eine längerfristige Vorhersehbarkeit ist aufgrund der vorliegenden Daten aktuell noch nicht gegeben.

Als für die Überflutungen ursächliche Schwerpunkte treten immer wieder Brückendurchlässe auf, die durch Treibgut verstopft werden und in diesen Bereichen zu einem schnellen Anstieg des Wassers führen. Durch Treibgut verlegte Brückendurchlässe, brechen in Folge des Wasserdrucks. Die entstehenden Flutwellen verstärken das Hochwassergeschehen noch zusätzlich.

Das natürlich in einem Gewässer befindliche Totholz stellt nur einen geringen Teil des schadbringenden Treibguts dar. Der weitaus größte Teil des Treibguts besteht aus Brenn- oder Bauholz, Gartenhäusern, Rundballen, landwirtschaftlichen Geräten und sonstigen Wirtschaftsgütern. Durch eine hochwasserangepasste Verhaltensvorsorge sind die Gewässeranlieger in der Lage, die Menge des mitgerissenen Treibgutes zu reduzieren.

Um den verschiedenen Ansprüchen der Gewässerunterhaltung gerecht zu werden, agiert die SGD Süd zweigleisig. Mit Hilfe des Totholzmanagements wird die Abflussleistung des Glan in Risikobereichen, also in Ortslagen oder vor Brücken verbessert. Die Entnahme von Totholz aus dem Gewässer hat in diesen Bereichen absoluten Vorrang. Außerhalb der Risikobereiche ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob Holz entnommen, belassen oder eingebaut wird. Um zu verhindern, dass in Zukunft vielleicht keine Bäume mehr am Glan stehen, werden alte Bäume gefällt und wenn möglich als Raubäume, also als Totholz, in den Glan eingebaut oder verwertet. In die so entstandenen Lücken werden neue Bäume gepflanzt. So wird sichergestellt, dass einerseits auch in Zukunft die ökologische Funktionsfähigkeit des Glans bestehen bleibt, andererseits die Vielzahl morscher Bäume dem Hochwasserschutz nicht entgegensteht. Der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd gelingt hier bei der Umsetzung des gesetzlichen Auftrages "Gewässerunterhaltung" der Spagat zwischen Hochwasserschutz und Ökologie.

Große Bäume, die zwar in den Glan gestürzt, mit ihren Wurzeln aber noch fest im Ufer verankert sind, können im Gewässer verbleiben und stellen für die nächsten Jahre ein kleines Paradies für Jungfische dar. Im Glan liegende Baumkronen werden am Ufer befestigt und kleines Bruchholz kann im Gewässer verbleiben, da es ohne Probleme beim nächsten Hochwasser durch die darunterliegenden Brücken geschleust wird. Größere Bäume ohne Kronenstrukturen werden aus dem Gewässer entnommen.