Zur Erhaltung gefährdeter Fischarten: SGD Süd setzt 1.800 Kilogramm Aale in den Oberrhein

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) führt zurzeit Aalbesatzmaßnahmen in Rheinhessen und in der Pfalz durch. Der Präsident der SGD Süd Prof. Dr. Hannes Kopf erläutert: "Insgesamt werden 1.800 Kilogramm Jungaale im Oberrhein eingesetzt.

Diese Fischbesatzmaßnahme ist wichtig, weil sie der Erhaltung und Bestandsstützung von gefährdeten Fischarten wie zum Beispiel dem Aal in unseren Gewässern dient." Die jungen Aale sind zwischen neun und zwölf Gramm schwer und circa zehn Zentimeter lang. Es handelt sich also um etwa 150.000 – 200.000 Tiere, die den Bestand stärken sollen. Die Kosten dieser Besatzmaßnahme betragen rund 90.000 Euro.

Im September 2007 wurde durch die Europäische Union die Verordnung mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestands des Europäischen Aals veröffentlicht. Diese Verordnung sieht vor, dass der Aalbestand auch mit Besatzmaßnahmen unterstützt werden muss. Deshalb hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd im Verlauf der letzten Jahre die Besatzmengen stufenweise erhöht. Im Jahre 2008 wurde mit einer Menge von 800 Kilogramm begonnen und über die Jahre kontinuierlich auf jetzt 1.800 Kilogramm Jungaale erhöht.

Seit Mitte der 90er Jahre konnte trotz einer stetig besser werdenden Wasserqualität ein überregionaler Rückgang der Aalbestände festgestellt werden. Folgende Gründe spielen dabei eine wesentliche Rolle:

  • Die eingeschränkte Durchwanderbarkeit der Fließgewässer (Wasserkraft- und Wehranlagen).
  • Häufige parasitäre Belastung (Schwimmblasenwurm).
  • Die Schädigung durch den menschlichen Einfluss (Turbinenschädigungen, Glasaalfang für den menschlichen Verzehr im Rheindelta).

"Wir wollen sowohl eine weitere Verbesserung der Lebensraum- und Wasserqualität als auch eine Minimierung der bereits genannten negativen Einflussfaktoren erzielen, damit sich der Fischbestand selbst erhalten kann", so Hannes Kopf. Er berichtet auch von einer geplanten Reduzierung der Fischbesatzmaßnahmen in den kommenden Jahren, sobald eine stabile Bestandsdichte erreicht worden ist.

Wie wird eine Besatzmaßnahme durchgeführt?

Ein Teil der in die Mündungsbereiche der europäischen Ströme einwandernden Jungaale (Glasaale) wird entnommen und in Aalfarmen großgezogen. Nach ein bis zwei Jahren wird von dort aus ein Teil der Aale als Besatzmaterial (Farmaale; zehn bis dreizehn Zentimeter) für die Bäche und Flüsse zur Verfügung gestellt. Die Farmaale werden durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd erworben und in den Rhein und dessen Seitengewässer eingesetzt.

Für die Besatzdurchführung wird das rheinland-pfälzische Mess- und Untersuchungsschiff "MS Burgund" genutzt. Auf der "MS Burgund" können die nötigen Fischbecken zur Zwischenhaltung angebracht werden. Mit einer fest installierten Pumpe können Becken mit frischem Zulaufwasser aus dem Rhein versorgt werden.


Der Europäische Flussaal (Anguilla anguilla)

Der Europäische Flussaal kommt natürlicherweise im Rhein und dessen Seitengewässer vor. Der Aal ist eine Fischart mit einem schlangenförmigen Körper und erreicht eine maximale Körpergröße bis zu 1,20 Meter. Er ernährt sich hauptsächlich von Kleinlebewesen und im Alter auch von anderen Fischen.
Zur Fortpflanzung führt der Aal eine sehr weitgestreckte Wanderung durch. Kurz vor der Geschlechtsreife wandert der Aal von den süßwassergeprägten mitteleuropäischen Bächen und Flüssen stromabwärts in die Nordsee. Von der Nordsee aus zieht der Aal durch den Atlantischen Ozean zur Sargassosee. Dort geben die Elterntiere in mehreren hundert Meter Wassertiefe ihre Eier ab und versterben nach der Eiabgabe. Die geschlüpften Larven lassen sich dann mit dem Golfstrom in Richtung der europäischen Küste verdriften. Von dort aus ziehen die Jungaale (Glasaale) in die Mündungsbereiche der großen europäischen Ströme und wandern dann gegen die Strömung in die Bereiche der Bäche und Flüsse auf, in denen die Abwanderung der Elterntiere begonnen hatte.