Der Achtstundentag feiert 100. Geburtstag! Gewerbeaufsicht kontrolliert Einhaltung der Arbeitszeiten

Neustadt an der Weinstraße - Vor 100 Jahren, am 23. November 1918, wurde der Achtstundentag auf Forderung der Arbeiterbewegung mit der „Anordnung über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter“ gesetzlich verankert. Auch aus Sicht der Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) eine Erfolgsgeschichte: „Gerade heute ist diese Regelung wichtiger und aktueller denn je“, so SGD Süd-Chef Hans-Jürgen Seimetz.

Denn Globalisierung, Verbraucherwünsche und Vertrauensarbeitszeiten führen immer häufiger dazu, dass wesentlich länger gearbeitet wird. Untersuchungen belegen die negativen Auswirkungen überlanger Arbeitszeiten auf die Gesundheit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht der SGD Süd überwachen deshalb, dass der Arbeitsschutz nicht auf der Strecke bleibt und die geltenden Arbeitszeitvorschriften eingehalten werden.

Sie überprüfen in den Betrieben die Arbeitszeitaufzeichnungen und beraten Arbeitgeber und Betriebsräte, wenn es um die Gestaltung der Arbeitszeit und um die Einhaltung der Vorschriften geht. Die Erfahrung zeigt, dass sich dabei im Dialog und mit konstruktiver Zusammenarbeit viel erreichen lässt. Im Jahr 2017 wurde in etwa 400 Betrieben die Arbeitszeit überprüft. Dabei wurden 305 Verstöße festgestellt, in 28 Fällen  wurde sogar ein Bußgeld verhängt.

Beschäftigte oder auch Betriebsräte können sich jederzeit mit Anfragen oder Beschwerden zur Arbeitszeit, auch formlos per Telefon oder Mail, an die Gewerbeaufsicht wenden. Jede Anfrage wird gewissenhaft beantwortet und jeder Beschwerde wird nachgegangen. Manchmal kommen Missstände auch bei Kontrollen vor Ort vertraulich zur Sprache. Die Zahl der Beratungen und Beschwerden ist nicht dokumentiert, aber im vergangenen Jahr wurden sicherlich mehr als 200 Beratungsgespräche geführt.

Das Arbeitszeitgesetz kennt jedoch auch Ausnahmen vom Achtstundentag. Eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit bis zu zehn Stunden  ist möglich, wenn eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden durchschnittlich eingehalten wird. Bei mehr als 10 Stunden pro Tag ist in der Regel eine Ausnahmegenehmigung durch die Gewerbeaufsicht erforderlich. Mehr als 12 Arbeitsstunden pro Tag sind jedoch tabu: Die Gewerbeaufsicht hat stets den Gesundheitsschutz der Beschäftigten im Fokus.

Im Jahr 2017 erteilte die Gewerbeaufsicht der SGD Süd 547mal eine solche Erlaubnis, wobei die Ausnahmen für Zeiträume von einem Tag bis zu fünf Jahren genehmigt wurden. Darunter waren auch zahlreiche Genehmigungen für Sonn- und Feiertagsarbeit. Beantragt wurden Ausnahmegenehmigungen u.a. vom produzierenden Gewerbe und von landwirtschaftlichen Saisonbetrieben, aber z.B. auch im Pflegebereich.

Die Gestaltung der Arbeitszeiten und die Einhaltung des Arbeitsschutzes der Beschäftigten rund um den Achtstundentag ist eine Herausforderung für Arbeitgeber, bei der die Gewerbeaufsicht der SGD Süd unterstützend und erforderlichenfalls auch reglementierend tätig wird. „Work-Life-Balance ist heute so aktuell wie die Errungenschaft des Achtstundentages vor 100 Jahren“, bilanziert Seimetz, dessen Leute weiter darauf achten werden, dass der Rahmen des Arbeitszeitgesetzes zum Schutz der Beschäftigten eingehalten wird.