Pfaff-Gelände Kaiserslautern: Auf dem Weg von der Industriebrache zum neuen Stadtquartier

Neustadt an der Weinstraße / Kaiserslautern - Umweltministerin Ulrike Höfken hat das aktuell brachliegende Gelände des ehemaligen Pfaff-Werkes in Kaiserslautern besucht, um sich ein Bild über die laufenden Altlastensanierungen und die geplante städtebauliche Nachnutzung zu verschaffen.

Bei der Besichtigung des alten Produktionsstandortes für Nähmaschinen wurde sie vom Oberbürgermeister der Stadt Kaiserlautern, Dr. Klaus Weichel, und dem Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Prof. Dr. Hans-Jürgen Seimetz, begleitet.

Die Sanierung des ehemaligen Pfaff-Betriebsgeländes in Kaiserslautern stelle aktuell die größte finanzielle Unterstützung eines kommunalen Altlastensanierungsprojektes durch das Land dar, so Höfken. Die Herstellung der Feinmechanik ging einher mit massivem Einsatz umweltschädlicher Produktionsmittel. Mit der Wiedernutzbarmachung der etwa 22 Hektar großen Fläche gewinne Kaiserslautern mitten in der Stadt dringend benötigte Wohn- und Gewerbefläche. Höfken erklärte: „Wasser und Boden haben ein langes Gedächtnis. Neben Strategien zur Vermeidung des Eintrags von Schadstoffen in die Umwelt, müssen wir daher auch Maßnahmen zur Erkundung und Beseitigung von Grund- und Oberflächenwasserverunreinigungen umsetzen.“ Das Grundwasser des belasteten Geländes werde dazu mit 7,515 Millionen Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren saniert, so Höfken.

„Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich über eine reine bodenschutzrechtliche Ersatzvornahme zur Sanierung der Altlasten eine erfolgreiche Stadtquartiersentwicklung entfalten kann“, zeigte sich Seimetz beeindruckt, dessen Behörde die Altlastensanierung des Grundstücks federführend managt.
Der Kaiserlauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel bedankte sich ausdrücklich beim Land Rheinland-Pfalz für die finanzielle Unterstützung, ohne die das Projekt nicht realisierbar wäre. Er zeigte die Spannungsfelder auf: Weichel möchte die emotionale Bindung der Ex-PFAFFianer an das Areal berücksichtigen und einige alte Gebäude erhalten und gleichzeitig die Entwicklung zu einem neuen modernen Quartier mit architektonisch hoher Qualität vorantreiben.

Im September 2009 war die Produktion nach über 100jährigem Betrieb auf dem Gelände endgültig eingestellt worden. Seit 1989 erfolgt die Sanierung des Grundwassers, das durch den betriebsbedingten Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen belastet ist. Zur Reinigung des Grundwassers werden fünf Sanierungsbrunnen betrieben, um leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) aus dem Grundwasser zu entfernen.

Um zukünftig attraktive Stadtquartiere für das ehemalige Betriebsgelände zu ermöglichen, hat sich das Land Rheinland-Pfalz sowohl fachlich als auch finanziell stark engagiert. In die Entwicklung des Areals fließen mehrere Millionen Euro aus Fördertöpfen von Umwelt- und Innenministerium. Hierzu wurde auch eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern der SGD Süd, der Stadt Kaiserslautern und dem Landesamt für Umwelt, initiiert. Ziel der Projektgruppe ist es unter anderem, die nutzungsorientierte Sanierungsplanung für das Gelände in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros und Planern zu konzipieren, so dass die Entwicklung den bodenschutzrechtlichen Belangen der Gefahrenabwehr gerecht wird. Dies stellt sowohl eine wichtige Grundlage für entsprechende Festsetzungen im Bebauungsplanverfahren als für technische Maßnahmen im Rahmen der Genehmigung von Bauanträgen dar.