Geologie und Böden

Der Gebietsaufbau geht auf die Ablagerungsvorgänge des Rheins zurück, der in der Endphase der letzten Eiszeit für die Gestaltung des Gebietes sorgte. Über einer wasserundurchlässigen Rupeltonschicht in 8 bis 12 m Tiefe sind Bodenschichten mit nach oben abnehmender Korngröße abgelagert, die jedoch aufgrund alter Inselbildungen des Rheins sehr unterschiedlich geschichtet sind.

Wasser

Seit den 30er Jahren liegt die Niederung nach dem Bau eines Schöpfwerkes weitgehend trocken und wird bis auf die für den Naturschutz vorbehaltenen Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Grabensysteme wurden in den sechziger und siebziger Jahren im Zuge von Landumlegungsverfahren systematisch ausgebaut. Zusammen mit der Tiefenerosion des Rheins führte dies zu einer Grundwasserabsenkung.
Die meisten Gräben innerhalb des Untersuchungsgebietes fallen in niederschlagsarmen Zeiten trocken; nur in den größeren Gräben (Leitgraben, Eichelsbach) fließt bzw. steht nahezu ganzjährig Wasser.

Klima und Luft

Das Klima im Untersuchungsgebiet kann als wintermildes, sommerwarmes und geschütztes Beckenklima bezeichnet werden (BITZ & DECHNENT 1994). Die Niederschlagswerte sind mit 597,7 mm/a vergleichsweise gering (AMBOS & KANDLER 1987). Das Niederschlagsmaximum liegt im Sommer.
Durch die windgeschützte Beckenlage ist das Klima sehr mild, begünstigt jedoch auch im Winter die Entstehung von Kaltluftseen mit Nebelbildung z.B. im durch den B 9-Damm umbauten Auenbereich. Durch diese Beckenlage ist der Luftaustausch gehemmt.

Pflanzen und Tiere

Die heutige Vegetation im Polderbereich ist geprägt durch intensive landwirtschaftliche, insbesondere ackerbauliche Nutzung. Grünflächen sind nur selten und kleinflächig anzutreffen und besitzen wegen des Nährstoffeintrags aus den angrenzenden, gedüngten Ackerflächen meist eutrophen Charakter.
Die bemerkenswertesten Vegetationsstrukturen finden sich entlang der Gräben. Hier wechseln sich abschnittsweise Ufergehölze mit Röhricht und Grünland (meist eutroph) ab.
Der gesamte Untersuchungsraum befindet sich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes "Rheinhessisches Rheingebiet". Teile des Untersuchungsraums liegen im Naturschutzgebiet "Laubenheimer/Bodenheimer Ried", welches z. T. als Europäisches Vogelschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesen ist.
Vorkommen geschützter Wildbienenarten finden sich an der rheinabgewandten Böschung der B 9, im an den Eichelsbach angrenzenden Bereich der Kläranlage, im Einmündungsbereich von Graben 20 in den Leitgraben sowie im nordwestlichen Bereich des geplanten Deiches.
Schwerpunke des Auftretens geschützter Heuschreckenarten sind die rheinabgewandte Böschung der B 9 und, abschnittsweise einzelne Uferbereiche der meisten Gräben.
Bei den Amphibien ergab die Bestandserhebung vereinzelte Vorkommen von Grünfröschen im Leitgraben und im Eichelsbach.
Die Gehölz- und Röhrichtstrukturen entlang der Gräben bieten einer Vielzahl von Vögeln Ansitz-, Nahrungs- und Brutraum. Das gehäufte Vorkommen geschützter Vogelarten entlang der Gräben weist auf die hohe Bedeutung dieser Biotopstrukturen inmitten der weitgehend ausgeräumten, intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen im Teilbereich der geplanten Hochwasserrückhaltung hin
Bis auf das vereinzelte Auftreten des Mauswiesels ergaben die Erhebungen in der vom Vorhaben betroffenen Teilfläche des Untersuchungsgebietes keine Hinweise auf das Vorkommen geschützter Kleinsäuger.
Zwischen der Kläranlage Bodenheim und dem Anschluss der L413 an die B9 befindet sich eine zeitweise von Druckwasser überschwemmte Ackerfläche, auf der Vorkommen sehr seltener und geschützter Blattfußkrebse (Rote Liste der bestandsge-fährdeten Blattfußkrebse (ausgewählte Gruppe) und Zehnfüßigen Krebse in Rheinland-Pflalz) bekannt sind. Weitere Vorkommen wurden in der nordwestlichen Ecke der geplanten Hochwasserrückhaltung nachgewiesen.

Landschaftsbild und Erholung

Als wichtige Landschaftselemente des Agrarraumes sind die Gräben mit ihren zumeist landschaftsgliedernden, naturnaheren Strukturen (Gehölze, Röhrichte, u.ä.) hervorzuheben. Siedlungsstrukturen grenzen im Norden (Mainz Laubenheim), Südwesten (Bodenheim) und Süden (Nackenheim) an den Untersuchungsraum. Die Auwaldreste nördlich von Nackenheim sowie das NSG Bodenheimer/Laubenheimer Ried besitzen eine hohe Landschaftsbildqualität.
Das gesamte Untersuchungsgebiet liegt im Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Rheinhessisches Rheingebiet". Die Bedeutung des Planungsgebietes für die Naherholung der ansässigen Bevölkerung ist sehr hoch. Das meist gut ausgebaute Feldwegenetz wird von Spaziergängern, Radfahrern und Reitern intensiv genutzt.

Mensch, Kultur- und Sachgüter

Die fruchtbaren, bindigen Böden aus Feinsedimenten im Untersuchungsgebiet mit Ertragszahlen nach der Bodenschätzungskarte von 70 bis 80 werden nahezu vollständig intensiv landwirtschaftlich, vorwiegend ackerbaulich, genutzt.
Nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege Rheinland-PfaIz befinden sich im vom geplanten Vorhaben betroffenen Teil des Untersuchungsgebietes keine Bau- oder Bodendenkmale.
Innerhalb des geplanten Retentionsraumes liegt die Kläranlage der Verbandsgemeinde Bodenheim sowie das Schöpfwerk Bodenheim. Diese Anlagen werden bis zur Fertigstellung des Polders außer Funktion gestellt und rückgebaut.
Im Norden des Untersuchungsgebietes quert eine 110 / 220 KV-Stromleitung den Projektraum, an der östlichen Grenze des Polders verläuft die Bundesstraße B 9. Innerhalb der geplanten Hochwasserrückhaltung verlaufen ausschließlich landwirtschaftliche Wege.
Entlang des westlichen Fußes des Rheindeiches verläuft eine Ferngasleitung.