Vorsorge für den Extremfall

In dem insgesamt circa 162 Hektar großen Gebiet des Polder-Innenraumes steht ein Rückhaltevolumen von maximal circa 4,5 Millionen Kubikmeter zur Verfügung. In Fließrichtung des Rheins hat der Rückhalteraum eine Längenausdehnung von circa 1,6 Kilometer; die Breite quer zum Rhein beträgt etwa zwischen 700 und 1.400 Meter. Die für die Rückhaltung vorgesehene Fläche weist überwiegend Höhen zwischen 81,0 und 82,0 m ü.N.N. auf. Der Rückhalteraum und das Ein- und Auslaufbauwerk sind für ein 200-jährliches Hochwasser ausgelegt, das heißt für ein extremes Hochwasserereignis, wie es durchschnittlich nur alle 200 Jahre an diesem Standort zu erwarten ist. In diesem berechneten Maximalfall mit einem Hochwasserstand von 84,29 m ü.N.N. liegt der Wasserspiegel durchschnittlich circa 2,85 Meter über der Geländeoberfläche des Polders.

Ausgeklügeltes System

Bevor der Polder geflutet wird, werden zunächst alle Durchlässe in den Deichen geschlossen, und das Schöpfwerk zur Binnenentwässerung der östlichen Flächen (deren Wasser natürlicherweise in das Innere des Polders abläuft) geht in Betrieb. Zudem wird sichergestellt, dass sich keine Personen im Innenraum des Polders befinden. Der Polder wird aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt, auch um den "Hochwassertourismus" in Grenzen zu halten. Das Betreten der Deiche und Bauwerke ist während des Hochwassereinsatzes des Polders verboten.
Für die Befüllung des Polders werden dann die circa 3,30 Meter hohen Fischbauchklappen vollständig gelegt. Nach diesem circa 15 Minuten dauernden Vorgang bleiben sie solange geöffnet, bis sich das Poldergebiet gefüllt und schließlich wieder entleert hat.
Den Klappen folgt zum Inneren des Polders hin ein circa 2 Meter tiefer liegender Kolksee, der als Tosbecken zur Energieumwandlung mit einer circa 1,50 Meter starken Blockschüttung aus schweren Wasserbausteinen dafür sorgt, dass die hier einlaufenden Wassermassen keine nennenswerten Erosionsschäden verursachen. Der Kolksee ist durchgängig von einer Spundwand umschlossen und somit vom Grundwasserleiter abgetrennt. Um die ausreichende Zuströmung vom Rhein zum Ein- und Auslaufbauwerk zu gewährleisten, musste eine circa 50 Zentimeter tiefe Abgrabung im Vorland zwischen dem Bauwerk und dem Altrhein-Arm auf einer Länge von circa 120 Meter und einer Sohlbreite von mindestens 25 Meter vorgenommen werden.